Gegründet: 1926

Lage: Stadtrandlage, oberhalb Schönberg, Südhanglage

Parzellenanzahl: 128

Geschichte:
Geschichte der Entstehung 1916 ist die Ernte in Deutschland besonders schlecht. Die dritte europäische Kartoffelkrise wird durch die Nahrungsmittelsubstitution mittels Rüben entschärft. 1917 die Rumfordsche Suppe wird im Kohlrübenwinter das Standardessen der gewöhnlichen Leute, dennoch sterben über eine halbe Million Deutsche des Hungers. 1918 die Versorgung der Bevölkerung kann nicht sichergestellt werden. 1919 entstehen Notstandsküche für Sozialhilfeempfänger, Studenten und Rentner. Kartoffelkrankheiten, welche durch eine grüne Blattlaus übertragen wurden, führten zu Missernten in den kommenden Jahren. 1922 erlässt die deutsche Reichsregierung ein Importverbot für Kartoffeln, Tomaten, Auberginen und Johannisbeersträuchern aus Frankreich, um zugleich die Einfuhr des Kartoffelkäfers zu verhindern. Not und Hunger schufen die Idee zur Errichtung vieler Kleingartenanlagen in und an unseren Stadtrandlagen in jener Zeit. Vereinsfreund Arno Schwarz schrieb dazu in seinem Bericht mit der Überschrift „Im Steckrüben-Winter des Jahres 1916/1917“, „da herrschte große Not in den Haushalten der Bürger der Spielzeugstadt.“

Zeit der Gründung:
In der „Sonneberger Zeitung“ wurde am 30.April 1917 eine Bekanntmachung des Magistrates veröffentlicht:

„Das seither Frau Jenny Haag gehörende Grundstück am Schönberg, östlich des Lutherhauses gelegen, soll zu Kleinfeldern verwendet werden. Diese Felder werden in der Größe von 400 bis 500 Quadratmetern pachtweisean minder-bemittelte Einwohner vergeben.“

Das Gelände am Schönberg besaß eine Ausdehnung von etwa 2,5 Hektar. Es waren überwiegend Spielwaren-Heimarbeiter, Handwerker und Beamte im einfachen und mittleren Dienst, die sich als Bewerber für die ausgeschriebenen Kleinfelder meldeten und danach einen Pachtvertrag entgegennahmen. Man sah sie später mit einem Huckelkorb oder einem Ziehwägelchen, beladen mit Arbeitsgeräten, Verpflegung und Getränken, in Richtung Schönberg marschieren. Das sie einen Schrebergarten bewirtschaften wollten, geschah weniger aus der Sehnsucht nach einer naturverbundenen Freizeitbeschäftigung, vielmehr, um den Tisch der Familie mit Gemüse, Kartoffeln, Obst und Kaninchenfleisch besser decken zu können. Keine leichte Aufgabe hatten die angehenden Schrebergärtner übernommen. Die Steinwüste, die sie bearbeiten mussten, machte ihnen schwer zu schaffen. Die Zeitung „Thüringer Volksfreund“ Sonneberg berichtete am 16. Mai 1927 rückblickend auf diese Pionierarbeiten, dass es immerhin zehn Jahre gedauerthabe, bis die schönen Kleingärten mit ihren schmucken Lauben entstanden sind. Und diejenigen, welche die meisten Steine weggeräumt haben, sind ihrem Vorhaben treu geblieben. „60 Familien, so die Zeitung „hätten durch echte solidarische Haltung das Werk schließlich zur Vollendung gebracht“.

Schon damals wurde in den Gesprächen der Schrebergärtner der Wunsch nach der Gründung eines Kleingartenvereins zum Ausdruck gebracht. Am 21. März 1926 kam es in einer Sonneberger Bierwirtschaft zur Gründung des Vereins „Schrebergarten-Kolonie-Schönberg e. V.“. Von den Gründungsmitgliedern wurde der 1. Vorsitzende, Schreiner Gustav Pechthold und sein Stellvertreter, Heimarbeiter Emil Bischoff gewählt. Im Herbst 1926 wurde das Gelände für das Vereinsheim abgesteckt und schließlich mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen.

Der damalige 1. Bürgermeister der Stadt Sonneberg Karl Knauer, veranlasste die städtische Sparkasse Sonneberg, dem Verein ein Darlehen (Grundschuld) in Höhe von 5000 Reichsmark zu gewähren. Ein weiteres Darlehen in gleicher Höhe wurde vom Brauhaus Sonneberg auf selbst-schuldnerische Bürgschaft bereitgestellt. Im Jahre 1927 war der Rohbau, tatkräftig unterstützt von den Schrebergärtnern und einem Malmerzer Zimmergeschäft, fertiggestellt. Durch die „Sonneberger Zeitung“ vom 07.05.1927 wurde die Bevölkerung der Spielzeugstadt davon unterrichtet, dass die Schrebergärtner, auf dem früheren Harschen Grundstück am Schönberg, vom 14. bis 15.05.1927 mit viel Mühe und großem Fleiß das errichtete Vereinsheim seiner Bestimmung übergaben.
Die Weihe erfolgte am 15. Mai, die Festlichkeiten dauerten drei Tage lang. Dem Vereinsheim wurde der Name „Waldhaus zur Schönberg-Grotte“ vergeben. Im Frühjahr 1928 hatte man mit dem Ausbau des Vereinsheimes begonnen, der im Sommer beendet wurde. Die Errichtung des Vereinsheimes hatte 17500 Reichsmark gekostet.  

 

Geschichte bis heute 1929/ 30 zählte der Verein bereits 75 Pächter.

 

 Verein Erstbelegung

 

1931 hatte der Verein infolge der sich immer mehr abzeichnenden Weltwirtschaftskrise und ihren Folgen erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.

Das Finanzamt verlangte die Begleichung der Steuerschulden und die Darlehensgeber die Rückzahlung der Gelder. Am 9. März 1933 kam es im Vereinsheim zur Gründung des Vereins „Waldhaus-Freunde vom Schönberg“. Erster Vorsitzenderwurde der Justizobersekretär Paul Eckardt und Gründer der „Waldhaus-Freunde vom Schönberg“. Seiner Initiative ist es zu danken, dass das Vereinsheim der Schrebergärtner vor der Versteigerung bewahrt wurde.

Am 21. März 1935 verkaufte die Stadtgemeinde Sonneberg dem Justizobersekretär Paul Eckhardt vom Verein der „Waldhaus-Freunde vom Schönberg“ ein Trennstück von 2013 Quadratmetern und zwar diejenige Fläche, auf welcher das „Waldhaus“ seinerzeit errichtet wurde.
Im Par. 2 des Kaufvertrages wurde die Schrebergarten-Vereinigung Schönberg e. V. genannt, von der der Verein „Waldhaus-Freunde vom Schönberg“ die Schuldverpflichtung übernahm (zugunsten der Städtischen Sparkasse Sonneberg). Das „Waldhaus“ stand auf stadteigenem Grund und Boden und hatte damals nur ein Bretterdach mit Dachpappe belegt. Die Umgebungsmauern bestanden aus einer richtigen Backstein-Mauer und waren mit Brettern beschlagen.


Die kleinen Gärten wurden zu Treffpunkten der Geselligkeit, wo man die Gezeiten des Jahreskreises zu verspüren bekam.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verbesserten die Kleingärtner in gemeinschaftlicher Arbeit auch die Versorgung mit Wasser und die Versorgung mit Elektroenergie. Das Vereinshaus „Waldhaus“ wurde immer mehr zu einer Stätte, wo man nach getaner Arbeit sein Abendbrot verzehrte, sein Glas Bier trank und die Mitgliederversammlungen durchführte. Da sich immer mehr Bewerber für einen Kleingarten am Schönberg meldeten, nahm der Vorstand mehrere private Flächen in der späteren hinteren Anlage in Pacht. Schon wenige Tage nach dem Einmarsch der „Roten Armee“ 1945 in die Spielzeugstadt wurde für die Sowjetische Kommandantur in der Laube des Kleingärtners Karl Luther eine Funkstation errichtet.
Im Jahr 1970 musste sich der Vorstand des Vereins mit notwendigen Reparaturen des „Waldhauses“ beschäftigen.
Im Juli 1974 wurde das „Waldhaus“ schließlich an den damaligen VEB Elektroinstallation Oberlind verkauft, der somit Trägerbetrieb unseres Vereins wurde. Ein Jahr später erwarb der Betrieb auch den Grund und Boden.

Die Gärten wurden immer weiterverpachtet an die Kinder oder die Verwandtschaft. Deshalb war es auch als Außenstehender sehr schwierig, in dieser Zeit einen Garten zu pachten.
Der Zusammenhalt unter den Gärtnern war sehr wichtig. Hauptsächlich wurden die Gärten als Nutzgärten angelegt, Gewächshäuser und Frühbeete waren das A und O eines jeden Gärtners. Viele Gärtner hatten Hasen, manche sogar Hühner und Brieftauben. In dieser Zeit wurden jährlich - meistens im Herbst – Listen abgegeben, wieviel Obst und Gemüse geerntet, wieviel davon verkauft und was für den Eigenbedarf genutzt wurde.  

Die vorhandenen Pachtverträge wurden im Jahr 1979 in Kleingarten-Nutzungsverträge umgewandelt.
Im Zeitraum von 1975 bis 1989 gehörte der Kleingartenverein dem Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter an. Die damaligen Vorsitzenden waren Heinz Wolf und Gerhard Beyer.

1976 wurde mit den Fundamentarbeiten am neuen „Laubenheim“ als späterer Schulungsraum begonnen. Die Arbeiten konnten 1978 abgeschlossen werden. Dazu las man in der Tagespresse „Freies Wort“ vom 03.11.1978 „In der letzten Sitzung des Vorstandes der Kleingartensparte „Waldhaus“ übergab der Vorsitzende Heinz Wolf einen durch zahlreiche „Mach mit!“-Einsätze geschaffenen Schulungsraum für annähernd 25 Personen.“ Von da an hatte u.a. die Frauengruppe des Vereins ihr Handarbeitsdomizil gefunden.

Mit der Wende begann auch für den Verein und für die Anlage eine völlig neue Zeit. Es gab bange Fragen um die weitere Existenz der Anlage. Auf der Grundlage des Bundesgesetzes hielt ein völlig neues Vereinsrecht in den neuen Ländern Einzug. Die damaligen Vorsitzenden Peter May und später auch Otto Pförtner hatten alle Hände voll zu tun, um die neue Situation zu meistern. In den Jahren 1996 wurden alle vorhandenen Kleingarten-Nutzungsverträge in Pachtverträge nach dem Bundeskleingartengesetz umgeschrieben. Und plötzlich sprach man von einer Kleingärtnerischen Nutzung der Parzelle auf mindestens einem Drittel. Unser Kleingartenverein trat dem Kreisverband der Kleingärtner Sonneberg e. V. im Jahre 1996 bei.

Als der VEB Elektroinstallation Oberlind nach der Wende von der Treuhandanstalt privatisiert wurde, kam es zur Schließung der bis dahin als Vereinsgaststätte „Waldhaus“. Von der Liegenschaftsgesellschaft der Treuhand wurde das „Waldhaus“ 1994 an den Gastwirt Wolfgang Matthes aus Mengersgereuth-Hämmern verkauft.

1990 standen mit der politischen Wende große Probleme auch für unseren Kleingartenverein an. Das Bundeskleingartengesetz wurde somit gesetzliche Grundlage für das Fortbestehen der Kleingartenanlage des Vereins. Erst im Jahre 1995 wurden die rechtlichen Grundlagen abgeschlossen, die vorwiegend im engen Zusammenhang mit dem 1995 gegründeten „Kreisverband der Kleingärtner Sonneberg e.V.“ und seinen Vorständen erfolgen konnte. Vorwiegend mussten die Eigentumsverhältnisse des Pachtlandes geklärt und die Eigentümer festgestellt werden, was eine große Herausforderung war. Es gab z. T. Erbengemeinschaften, die in der ganzen Welt verstreut waren. So war es nur folgerichtig, dass wir eigenständiges Mitglied des „Kreisverbandes der Kleingärtner Sonneberg e. V.“ wurden, und es war so vieles zu bewältigen, um alle gesetzlichen, rechtlichen und steuerlichen Vorschriften der Bundesrepublik Deutschland und seiner Gesetze und Verordnungen auch mit Satzung für unseren Verein zu erfüllen.

Diese Aufgaben wurden für das Fortbestehen unseres Vereins mit den neugestalteten Verhältnissen in erster Linie von unseren Vorsitzenden Peter May und Otto Pförtner (gestorben 2012) bewältigt. Im Jahre 1996 erhielten die Pächter / Mitglieder neue Pachtverträge mit Datum 01.04.1996. Die Satzung als Grundlage für Mitgliedschaft und Pachtvertrag unseres Kleingartenvereins wurde in der Mitgliederversammlung am 19.04.1997 beschlossen.

Zum Fortbestehen benötigt der Verein finanzielle Mittel, die nunmehr allein von den Mitgliedern / Pächtern des Vereins zu tragen waren. Bis zur Wende konnten Zuwendungen des VEB EIO verzeichnet werden, in Verbindung als Trägerbetrieb des Vereins und Eigentümer der Gaststätte „Waldhaus“. Mitgliedsbeiträge an den Kreisverband, Grund- steuern und Versicherungsbeiträge waren nun zusätzlich von allen Mitgliedern zu tragen.

Im Jahr 2000 konnte das Schulungsgebäude mit Unterstützung des Freistaates Thüringen saniert werden. Die Außenwände wurden mit Holzschalung verkleidet.

Der Kleingartenverein „Waldhaus 1926 e. V.“ Sonneberg bewirtschaftet derzeit eine Pachtfläche von insgesamt 56 097 Quadratmetern, davon sind 28 010 Quadratmeter kommunale Flächen und 28 087 Quadratmeter Flächen von privaten Grundstücksbesitzern. Wir verfügen heute über 133 Parzellen, wovon 8 Parzellen für Vereinsheim, Lager-, Projekt- und Parkplatzflächen genutzt werden.

Trotz wechselvoller Geschichte hat das Kleingartenwesen sich bis heute behauptet und nichts an seiner Attraktivität verloren.

In Vorbereitung des 90jährigen Jubiläums wurde, da nunmehr die Gasstätte Waldhaus nicht mehr existent ist, unser Schulungsraum etwas aufpoliert. Neue Fenster, eine neue Türverkleidung und ein ordentlicher Anstrich erfolgten. Zum Vereinsfest am 25.06.2016 erhielt unser Vereinsheim auch seine Beschilderung.

Besondere und historische Ereignisse im Verein/der KGA

2016 feierte unser Verein sein 90jähriges Jubiläum und blickte hierbei auf eine bewegte und aktive Vereinszeit zurück.

Beispiele aus dem Kleingartenwesen aus Vergangenheit bis heute Die jährlichen Galgenturniere, Sommer- und Bergfeste, Rentnerfeiern, Frauentreff, Kindertags-feier etc. zählten zu den jährlichen Höhepunkten des Kleingartenvereines, welche nach der Wende wesentlich weniger wurden. Doch mit unserem 90jährigen Jubiläum haben wir uns darauf wieder besonnen und planen deshalb, da wir keine Freifläche mehr haben, einen Lager- und Festplatz herzurichten, da unser Vereinsheim mit Umfeld nicht ausreicht. Außerdem beabsichtigen wir auf unserem Vereinsheimgelände einen Galgenkegelplatz zu errichten, um in den kommenden Jahren wiedermit den Gartenfreunden in den Kleingartenanlagen unseres Verbandes in den Wettstreit treten zu können.

Verfasser: Liola Scholz, Ursula Hiebsch, Heike Otto